Zwangsstörungen die totale Kontrolle

Wer ständig Dinge nachprüft....

 Zwangsstörungen die totale Kontrolle

 

Wer ständig Dinge nachprüft, putzt und wäscht, dem wird das Leben oft unerträglich. Spezielle Therapien helfen dabei, sich vom Zwang zu befreien.

Habe ich den Herd ausgeschaltet, die Tür wirklich zugesperrt? Fast jeder von uns ist schon einmal umgekehrt, um das zu überprüfen, damit er dann beruhigt zur Arbeit, zum Einkaufen oder auf Reisen gehen konnte. Wer jedoch unter Zwängen leidet, dem kommen schon bald nach dem Nachschauen erneut Zweifel.

Diese Menschen trauen ihrer Wahrnehmung nicht mehr richtig, sodass das Kontrollritual wiederholt werden muss.

Zwanghaftes Waschen und Kontrollieren

Wiederholtes Kontrollieren und Waschen gelten als die beiden bekanntesten Zwangshandlungen. Menschen können aber auch von zwanghaften Gedanken gequält werden. Gegen ihren Willen drängen sich verstörende Vorstellun­gen auf: Während sie am Bahnsteig stehen, überfällt sie etwa die fixe Idee, einen anderen vor den einfahrenden Zug zu schubsen.

Solche schlimmen Impulse, die Zwangserkrankte niemals umsetzen würden, erkennen sie jedoch nicht als typische Symptome einer Erkrankung. Vielmehr schätzen sich diese Personen selbst als gefährlich für ihre Mitmenschen ein und versuchen solche Gedanken unbedingt zu unterdrücken. Aber genau das ist verkehrt, denn so kommen sie wieder.

Zwangsstörungen sind ein komplexes Leiden

Viele Zwangserkrankte schämen sich für ihre Handlungen und Gedanken, denn sie erkennen selbst, dass ihr Tun sie weder erleichtert noch ihnen hilft, sondern vor allem viel Zeit verschlingt und ihr Leben unerträglich macht. Trotzdem können sie nicht anders: Zwangsstörungen gelten als ein komplexes, oft verheimlichtes, chronisches Leiden. Beschäftigt sich jemand mindestens eine Stunde täglich mit seinen Zwängen, geht man von einer Störung aus. Auch wenn diese Zeitangabe dazu dient, die Krankheit einzuschätzen, ist sie eher willkürlich. Manche Zwangserkrankten verbringen fast den ganzen Tag mit ritualisiertem Tun oder Denken. Bei mehr als der Hälfte aller Personen mit Zwängen entwickelt sich zusätzlich eine Depression. Trotzdem vertrauen sich viele erst einem Arzt an, wenn der Ärger in der Partnerschaft, Familie oder am Arbeitsplatz überhandnimmt. Dabei lässt sich die Erkrankung stationär und auch ambulant gut behandeln.

Verhaltenstherapie hilft gegen Zwänge

Als erstes Mittel setzen wir die Psychotherapie ein. Insbesondere hat sich die Kognitive Verhaltenstherapie bewährt. Kognition ist ein anderes Wort für Denk- und Wahrnehmungsprozesse. Therapeut und Erkrankter hinterfragen zunächst gemeinsam die Gründe und Verhaltensmuster, die beispielsweise bei einem Waschzwang vorliegen. Beide überprüfen  heute oft per Internet, wie wahrscheinlich es ist, sich tatsächlich mit Bakterien und Viren zu infizieren.

Das zentrale Element dieses Verfahrens ist jedoch, die gefürchtete Situation zusammen mit dem Therapeuten aufzusuchen  sie auszuhalten und zu spüren, dass das Leben auch ohne ausufernde Rituale funktioniert. Diese effektive Methode nennen Wissenschaftler Exposition mit Reaktionsverhinderung. Dabei arbeiten Therapeut und Patient eine Art Stufenplan aus und gehen anschließend von leichteren Situationen zu immer schwierigeren.

Waschzwang behandeln

Im Fall eines Waschzwangs darf der Patient sich nach dem Anfassen fremder Türklinken oder Haltegriffe in der Straßenbahn nicht sofort die Hände reinigen. „Er lässt die dadurch hochkommende Angst und Anspannung zu und erlebt, dass diese unangenehmen Gefühle sich nicht unendlich weiter steigern  wie er irrtümlich angenommen hat. Nach einer Weile regeln sie sich von alleine wieder herunter.

Durch das Üben stellt sich also eine Gewöhnung ein. Je öfter sich der Patient den auslösenden Situationen aussetzt, desto stärker nehmen Furcht und Anspannung ab, bis der Trainierende die Situationen weitgehend zwangsfrei übersteht. 80 Prozent der Patienten sprechen sehr gut auf diese Form der Behandlung an. Die Symptome können sich um 50 bis 70 Prozent verringern.

Menschen mit Zwängen überschätzen die Macht der Gedanken

Forscher gehen davon aus, dass Patienten mit Zwängen in besonderer Art und Weise zu ihren Gedanken stehen. Sie überschätzen die Macht ihrer Gedanken und setzen sie mit der Wirklichkeit gleich. Die Metakognitive Therapie, eine Erweiterung der Kognitiven Verhaltenstherapie, beschäftigt sich deshalb mit dem Verhältnis der Patienten zu ihren Gedankenmustern.

Mit dieser Methode soll der Erkrankte unter anderem eine emotionale Distanz zu seiner Welt des Denkens schaffen. Das gelingt beispielsweise, indem er seine Zwangsvorstellungen wie Wolken am Himmel weiterziehen lässt, ohne sie gefühlsmäßig zu bewerten. Oder er stellt sich vor, dass sie mit dem Zug davonfahren, während er neutral im Bahnhof zurückbleibt.

Strichliste führen gegen Rituale

Eine Strichliste kann ebenfalls helfen, Rituale zu entzaubern. Dann sind folgende Fragen an den Patienten wichtig. Wie oft war die Tür nicht abgeschlossen, wenn Sie zurückgegangen sind? Was besagt das über Ihre Rituale?  Durch intensives achtsames Gedankentraining verlieren die ängstigenden Vorstellungen mit der Zeit an suggestiver Kraft. In ersten Fallstudien erzielte die Metakognitive Therapie in kurzer Zeit beachtliche Erfolge. Noch gilt die Befundlage nicht als ausreichend. Die Methode muss sich erst an mehr Patienten bewähren.

Psychopharmaka manchmal hilfreich

Neben den Erfolgen der psychotherapeutischen Behandlung von Zwangsstörungen gibt es auch Hinweise auf positive Effekte durch die Einnahme von Psychopharmaka. Bisher haben sich nur selektive Serotonin Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und Clomipramin als wirksam erwiesen. Gerade bei einer schweren Zwangsstörung kann allein diese Medikamentengabe die Symptome um 30 bis 40 Prozent reduzieren. Dies ist nur eine Zusatzbehandlung zur Kognitiven Verhaltenstherapie. Denn sobald der Arzt das Mittel absetzt, kommen die alten Zwänge wieder.“

Manchmal verschreiben Ärzte zusätzlich ein Neuroleptikum, wie es bei Wahnvorstellungen eingesetzt wird, beispielsweise Risperidon. Deutlich überlegen zeigte sich jedoch eine Kombination aus SSRI-Behandlung, unterstützt durch eine Kognitive Verhaltenstherapie.

Das Neuroleptikum hatte sich nicht besser bewährt als ein Scheinmedikament (Placebo). Das wies eine erst kürzlich in der Zeitschrift JAMA Psychiatry veröffentlichte Studie nach. Zwangserkrankte benötigen Mut und Disziplin, um ihre fordernden Impulse anzugehen.

Sinnvoll ist es auch, während der Behandlung die Zukunft zu planen. Sobald die Symptome nachlassen, muss der Patient überlegen, was er mit der so gewonnenen Zeit anfangen möchte. Da braucht es attraktive Visionen. Diese entwickelt der Erkrankte mit seinem Therapeuten, um sein Leben neu zu gestalten.

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